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Asthma - Mehr Verständnis für die Erkrankung erhöht die Lebensqualität
Die Luftnot beim Asthma bronchiale wird durch eine Verengung der Luftwege, der Bronchien, hervorgerufen. Ein Leben mit Asthma bedeutet jedoch nicht ein Verlust an Lebensqualität.
Für die Luftnot werden drei Gründe ins Feld geführt:
1. die Schleimhaut der Bronchien ist entzündet, geschwollen und verdickt. Dadurch verringert sich der Innendurchmesser der Bronchien.
2. die entzündete Schleimhaut produziert einen zähen, stark haftenden Schleim, der sich nur schwer abhusten läßt und die Bronchien teilweise oder völlig verstopfen kann.
3.die Muskulatur der Bronchien zieht sich auf bestimmte Reize (Anstrengung, Temperaturwechsel, Rauch) hin zusammen und verkrampft sich (Bronchospasmus), wodurch sich der Innendurchmesser der Bronchien noch mehr verengt.
Da Asthma auf einer Entzündung der Bronchialschleimhaut beruht, steht die anti-entzündliche Behandlung im Vordergrund. Die bronchialerweiternde Behandlung dient zur raschen und vorübergehenden Lösung der Bronchialverengung, behandelt das Asthma jedoch nur symptomatisch und hat keinen nachhaltigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf.
Die Ziele der Asthma-Therapie sind das Vermeiden von Asthma-Anfällen, die Verhinderung einer krankheitsbedingten Beeinträchtigung des täglichen Lebens und eine Wiederherstellung und Erhaltung einer normalen Lungenfunktion
Entsprechend des Asthma- Schweregrades wurde ein dreistufiges Therapie-Schema erstellt. Neben der Häufigkeit, mit der die Asthmasymptome auftreten, dient die Überprüfung der Lungenfunktionswerte der Einordnung in die drei Schweregrade. Die Medikation wird dem jeweils aktuellen Schweregrad angepaßt. Besondere Bedeutung kommt dem Peak-Flow-Wert zu, den jeder Asthmatiker mittels eines handlichen Peak-Flow-Meters täglich selbst überprüfen sollte.
Bei allen Asthmatherapie-Stufen werden bronchialerweiternde ß2-Sympathomimetika "nach Bedarf" inhaliert, wenn Atembeschwerden auftreten, oder vorbeugend vor größeren körperlichen Belastungen. Diese vorbeugende Inhalation führt dazu, daß der betroffene Asthmatiker Sport ohne Beschwerden in der Regel zwei bis vier Stunden durchführen kann. Im Fall von Atembeschwerden reicht es aus, ein oder maximal zwei Hübe zu inhalieren. Wenn sich daraufhin innerhalb von fünf Minuten keine Besserung einstellt, ist eine Notfallbehandlung erforderlich. Treten Atembeschwerden häufiger auf, so daß täglich mehr als zehn Hübe eines ß2-Sympathomimetikums benötigt werden, muß die Basistherapie vom Arzt neu eingestellt werden.
Auch schon bei leichtem Asthma (Stufe 1) sollte eine regelmäßige Inhalation von anti-entzündlichen Medikamenten erfolgen. Als nicht-steroidale Substanzen stehen Cromoglicinsäure (DNCG) und Nedocromil zur Verfügung. Kommt es jedoch trotz täglicher Anwendung von DNCG bzw. Nedocromil innerhalb von vier bis sechs Wochen nicht zu einer Stabilisierung der Peak-Flow-Werte und einer Abnahme tageszeitlicher Schwankungen, darf nicht gezögert werden, ein inhalatives Kortikosteroid einzusetzen
Bei mittelschwerem Asthma in der Therapiestufe 2 erfolgt die anti-entzündliche Basisbehandlung mit der regelmäßigen Inhalation eines Kortikosteroids. Um nächtlichen Asthmaanfällen vorzubeugen, wird häufig ein retardiertes Theophyllin-Präparat verordnet. Alternativ kann ein langwirkendes ß2-Sympathomimetikum inhaliert werden.
Bei schwerem Asthma in der Therapiestufe 3 kommt erweiternd die Einnahme von Kortikoiden in Tablettenform hinzu.
Die Therapie setzt das Selbstmanagement der Patienten voraus:
Als Peak-Flow bezeichnet man die maximale Atemstromstärke, die bei maximaler Ausatmung erreicht wird. Je enger die Bronchien sind, desto geringer fällt der Wert aus. Die Peak-Flow-Werte sind auch die Grundlage der Einteilung des Asthmas in die drei Schweregrade.
Die tägliche Peak-Flow Messung dient dazu, daß jeder Asthmatiker eine Einschätzung seines momentanen Atemwegszustands bekommt und seinen Krankheitsverlauf besser verstehen und nach dem Stufenplan in Absprache mit dem Arzt selbst kurzfristig reagieren kann. Routinemäßige Messungen des Peak-Flow sollten morgens nach dem Aufstehen und abends durchgeführt werden. Zusätzliche Messungen sind bei Gefühl von Atemnot, bei Bronchialinfekten, bei Therapieum- oder -neueinstellungen, bei stärkeren Abweichungen vom persönlichen Peak-Flow-Bestwert oder größeren Schwankungen angeraten.
Der Therapie-Plan für das Selbst-Management beruht wesentlich auf den gemessenen Peak-Flow-Werten. Der wichtigste Wert ist dabei der persönliche Peak-Flow-Bestwert, also der höchste Wert, der bei langfristiger Messung und Protokollierung der täglichen Werte erreicht wird. Ausgehend von der Basismedikation für die Dauertherapie wird vom Arzt in Zusammenarbeit mit dem Patienten ein Plan aufgestellt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, wenn sich die Atemwegssituation verschlechtert, d.h. der Peak-Flow bestimmte Schwellenwerte unterschreitet. Dabei werden drei Zonen unterschieden:
Grüne Zone: Alles in Ordnung. Der aktuelle Peak-Flow-Wert beträgt 80 bis 100 Prozent Ihres persönlichen Bestwertes.
Gelbe Zone: Achtung! Maßnahmen erforderlich.
Der aktuelle Peak-Flow-Wert fällt auf 50 bis 80 Prozent des persönlichen Bestwertes und die Asthmasymptome werden häufiger. Als Maßnahme werden ß2-Sympathomimetika inhaliert und entsprechend dem aufgestellten Therapieplan weitere Medikamente (z.B. Kortikosteroide, Theophyllin) eingenommen. Wenn sich die Symptome wiederholen, sollte der Arzt aufgesucht werden. Meist ist dann die Basistherapie neu einzustellen.
Rote Zone: Notfallprogramm
Der aktuelle Peak-Flow-Wert fällt unter 50 Prozent des persönlichen Bestwertes und es besteht Atemnot in Ruhe oder bereits bei leichter körperlicher Betätigung. Jetzt müssen sofort ß2-Sympathomimetika inhaliert und bei ausbleibender Besserung entsprechend dem aufgestellten Notfallplan Kortison-Tabletten eingenommen werden. Wenn dann nach 30 Minuten immer noch Atemnot herrscht oder der Peak-Flow-Wert sich nicht entscheidend gebessert hat, muß sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Verhalten bei Infekten
Atemwegsinfekte steigern die Empfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien, was zu einer Verstärkung der asthmatischen Beschwerden führt. Bei den ersten Anzeichen eines Atemwegsinfekts muß die Asthma-Therapie intensiviert werden. Zur Kontrolle sind häufigere Peak-Flow-Messungen notwendig (4-6mal pro Tag). Die anti-entzündliche Basistherapie muß verstärkt werden. Entsprechend der Absprache mit dem Arzt wird häufiger mit DNCG oder Kortikosteroiden inhaliert. Eventuell ist auch eine kurzandauernde systemische Kortikosteroid-Therapie (Kortikosteroide in Tablettenform) erforderlich. Wenn Theophyllinpräparate eingenommen werden, sollte die Dosis verringert werden, da bei einer Infektion der Theophyllinabbau verlangsamt ist. Die angewendete Intensivtherapie wird noch mindestens eine Woche nach Abklingen des Infekts beibehalten, um eventuellen Rückfällen vorzubeugen. Da die bronchiale Hyperreagibilität auch nach dem Abklingen des Infekts noch wochenlang verstärkt sein kann, ist eine ausreichende Dauer der medikamentösen anti-entzündlichen Nachbehandlung wichtig.
Peak-Flow-Messung:
Um korrekte und vergleichbare Werte zu erhalten, ist zu beachten:
Möglichst immer in der gleichen Körperhaltung messen.
Die Anzeigemarke der Meßskala auf den Nullwert zurückschieben.
Das Peak-Flow-Meßgerät waagerecht vor den Mund halten, dabei die Meßskala nicht mit den Fingern abdecken, um nicht den Zeigerausschlag zu behindern.
So tief wie möglich einatmen und die Luft kurz anhalten.
Den Mund öffnen und das Mundstück mit den Lippen fest umschließen.
Kurz und mit aller Kraft ausatmen.
Durch den Atemstoß wird die Anzeigemarke der Meßskala verschoben. Der angezeigte Meßwert entspricht der maximalen Atemstromstärke (Peak-Flow-Wert).
Die Peak-Flow-Messung noch zweimal wiederholen (Punkte 1-7).
Den höchsten Peak-Flow-Wert der drei Messungen im Asthma-Tagebuch notieren.
Wichtig: Bei den Messungen ist darauf zu achten, daß die Ausatmung nur kurz erfolgt und nicht zu lang ausgeatmet wird, da ansonsten Asthmaattacken ausgelöst werden könnten. Das bedeutet, daß Sie nicht mit "dicken Backen" in das Peak-Flow-Meter pusten sollen, sondern nur kurz und kräftig ausatmen.
Den Alltag leichter meistern
Ausreichende Bewegung,
Ausdauersport wie Wandern, Fahrradfahren und vor allem Schwimmen,
Verzicht auf Nikotin,
Gewicht kontrollieren, Übergewichtige haben mehr Probleme mit ihrem Asthma,
Bei Cortisoneinnahme: ausreichend Calcium durch die Ernährung aufnehmen,
Entspannungstechniken- wie Autogenes Training- erlernen,
Atemgymnastik machen, Techniken wie die Lippenbremse erlernen,
Asthmaschulungen besuchen,
Infektionen vorbeugen durch "Abhärtung" wie Sauna, Wechselduschen- sofern es vertragen wird,
Sich einer Gruppe im Deutschen Allergie- und Asthmabund anschließen,
Sofern ein allergisches Asthma vorliegt, möglichst die auslösenden Allergene vermeiden.
Quelle:
www.daab.de/therapie.html
Manual - Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit Asthma, Govi-Verlag