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Migräne - ein ernst zu nehmendes, die Lebensqualität stark einschränkendes Problem

Etwa 90 Prozent der Menschen mit Kopfschmerzen leiden entweder an Migräne, einem Kopfschmerz vom Spannungstyp, verkürzend meist Spannungskopfschmerz genannt, oder einem Kombinationskopfschmerz aus Migräne und Spannungskopfschmerz.

Diese Kopfschmerzen werden auch primäre Kopfschmerzen genannt, d.h. sie sind keine Folge anderer Erkrankungen, sondern die Kopfschmerzen sind selbst die Erkrankung und aus medizinischer Sicht nicht gefährlich, auch wenn sie die Lebensqualität der Betroffenen teilweise ganz erheblich beeinträchtigen.

Bei der Migräne treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt halbseitige Kopfschmerzen auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Nerven- und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Körperliche Bewegung wie Spazierengehen oder leichtes Joggen, die in der Regel bei einem Spannungskopfschmerz als angenehm entspannend wirken, verschlimmert bei einer Migräne das Geschehen

Als typische Anfangssymptome einer Migräne (Migräneaura) gelten Sehstörungen, halbseitige Bewegungsstö
rungen sowie Sprachausdrucksstörungen. Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine prolongierte
(= verlängerte) Migräneaura liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und weniger als eine Woche anhält.

Grundsätzlich können Sie Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp selbst behandeln.
Ein Arztbesuch ist unbedingt angezeigt,
-
wenn Kopfschmerzen täglich oder fast täglich auftreten,
- Kopfschmerzen mit weiteren Symptomen wie Lähmungen, Gefühls-, Seh-, Gleichgewichtsstörungen, Augentränen oder starkem Schwindel einhergehen. Auch solche Kopfschmerzen sind im allgemeinen durchaus harmlos, doch sollte hier eine genaue ärztliche Abklärung erfolgen,
- Kopfschmerzen mit psychischen Veränderungen wie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder Störungen der Orientierung zu Zeit, Ort und Person einhergehen,
- Kopfschmerzen erstmals im Alter von über 40 Jahren auftreten,
- Kopfschmerzen in ihrer Intensiät, Dauer und/oder Lokalisation unüblich sind,
- Kopfschmerzen erstmals während oder nach körperlicher Anstrengung auftreten, sehr stark sind und in den Nacken ausstrahlen,
- Kopfschmerzen von hohem Fieber begleitet sind,
- Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung, z.B. einem Sturz auftreten,
- Kopfschmerzen trotz Behandlung an Häufigkeit, Stärke und Dauer zunehmen,
- Kopfschmerzen zusammen mit einem epileptischen Anfall und Bewußtlosigkeit auftreten,
- Kopfschmerzen nicht mehr auf die bisher wirksamen Medikamente ansprechen.

Im Zweifelsfall empfehlen wir Ihnen immer den Arztbesuch.

Wird die Migräne von
 Übelkeit / Brechreiz und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist die Verabreichung von dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Metoclopramid sehr wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen. Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz 15 min. vor einem Schmerzmittel einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die Aufnahme  weiterer verabreichter Substanzen fördert.

Ganz wichtig ist der Hinweis, dass
Sc
hmerzmittel möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h. Sie dürfen nicht abwarten, bis das Vollbild der Migräne eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Migräne-Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von zwei Tabletten mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure mit je 500mg. Bei ungenügender Wirkung empfiehlt sich ein Versuch mit zwei Tabletten Paracetamol mit je 500 mg. Die Arzneistoffe Naproxen und Ibuprofen sind als Migräne-Mittel ebenso wirksam bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt hat sich bei stärkerer Migräne auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol.

Prophylaktische
(= vorbeugende) Migräne-Behandlung:

Als Mittel der ersten Wahl gelten die verschreibungspflichtigen Beta-Rezeptorenblocker
(eigentlich ein Blutdruckmittel, das aber auch gegen Migräne wirkt). Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende Wirkung auf die Migräne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (lt. Diener 1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer (= den Kreislauf betreffende) Störungen oder einer Bradykardie (= zu langsamer Puls) muß diese vorbeugende Migräne-Behandlung abgebrochen werden (ausschleichend !). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf den Migräne -Kopfschmerz ist noch nicht sicher bekannt.

Hier noch einige Tipps für Sie, wie Sie eine Migräne vermeiden können:

Vermeiden Sie die regelmäßige Einnahme von
Schmerzmitteln (nicht mehr als an 10 Tagen pro Monat) bzw. versuchen Sie, zunächst mit weniger Medikamenten auszukommen, ehe Sie ganz darauf verzichten können.

Registrieren Sie sorgsam die Auslöser Ihrer Migräne-Anfälle. Wichtig ist, daß
Sie wissen, worauf Sie achten müssen, ganz gleich, ob es sich um bestimmte Nahrungsmittel handelt oder ob es um ungünstige Wetterverhältnisse oder Lebensumstände geht.

Überprüfen Sie Ihre
Ernährungsgewohnheiten - vermeiden Sie jedes Zuviel an Fett, Süßigkeiten, Zitrusfrüchten, an Kaffee, Alkohol und Nikotin.

Hüten Sie sich vor übermäßigem
Lärm - setzen Sie sich keiner starken Licht- oder Sonneneinwirkung aus.

Überprüfen Sie Ihre hohen Ansprüche und Erwartungen an sich selbst und an andere.
Setzen Sie diese nicht zu sehr unter Druck, und sehen Sie auch mal über etwas hinweg.

Versuchen Sie psychologische Belastungen, wie Sorgen, Verantwortung, Streß abzubauen -
lernen Sie auch, einmal NEIN zu sagen. Überfordern Sie sich nicht.

Vermeiden Sie starke Gemütsregungen - das gilt für Gespräche, Lektüre und ganz besonders für das Fernsehprogramm.

Denken Sie daran:
Mit Ihrem Problem stehen Sie nicht allein. Wir wollen Ihnen helfen. Sie können uns jederzeit ihre Fragen mailen oder zu einer Beratung in die Apotheke kommen. Hier können wir Ihnen Informationen und Broschüren mitgeben und Ihnen die Verwendung eines Migräne-Tagebuches erklären.


Quelle:
www.dmkg.de
www.migraeneliga-deutschland.de
www.migraene.co.uk