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Osteoporose betrifft nicht nur Frauen
Bis zum 20. Lebensjahr hat sich Ihr Knochengerüst in seiner Stabilität voll ausgebildet. Nun sind aber Knochen keinesfalls totes Gewebe. Spezialisierte Zellen bauen Ihr Knochengewebe permanent auf und ab. Ab dem 30.-35. Lebensjahr baut sich natürlicherweise immer mehr Knochenmasse ab als vom Körper wieder aufgebaut wird. Man spricht von einem Knochenmassenverlust von 1% pro Jahr.
Nach den Wechseljahren nimmt dieser durch den Mangel an Geschlechtshormonen sogar noch zu. Je höher zu dieser Zeit also der Knochendichte-Wert ist, desto niedriger ist das Osteoporose-Risiko. Vorbeugung im Kindes- und Jugendalter durch die richtige Ernährung ist somit besonders wichtig.
Knochenmassenverlust bedeutet, daß die kleinen Bälkchen (auch Trabekel genannt), die das Knochengerüst darstellen, dünner werden und sich ganz auflösen. Das Knochengerüst zerfällt. Ist letzteres eingetreten, dann erfolgt nur noch der Abbau Ihrer Knochenmasse! Bereits heftiger Husten kann dann Rippenbrüche auslösen.
Knochen wachsen, wie die Muskulatur, entsprechend ihrer Anforderung. Das bedeutet, je nachdem, wo Sie Ihre Knochen mehr fordern, dort werden sie aufgebaut. Also bauen sich Ihre Knochen in Folge immer dort ab, wo auch die Muskulatur nicht mehr beansprucht wird. Beispiel: Bei einer Bettruhe von 12 Wochen verringert sich die Knochenmasse um ein Viertel!
Da der Mensch seine Knochen unterschiedlich stark beansprucht, kommt es in bestimmten Körperregionen besonders häufig zu Frakturen. Zum Beispiel Brüche der Wirbelkörper ziehen oft starke Rückenschmerzen nach sich. Bei Osteoporose kommt es nicht zu einem spontanen Bruch, sondern dieser ist immer mit einer äußeren (Gewalt)einwirkung verbunden, z.B. einem Fall der betroffenen Person oder Heben schwerer Gegenstände.
Die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche nimmt mehr Betten im Krankenhaus in Anspruch als Schlaganfall- und Herzinfarktfälle zusammen.
Verspüren Sie Schmerzen, so sind es meistens Muskelschmerzen. Es gibt keine Knochenschmerzen. Die einzige Schmerzzone des Knochens ist das Periost (= die den Knochen umgebende bindegewebige Haut).
Die Therapie erfolgt außer mit Arzneimitteln mit Sport. Dazu müssen Sie wissen, dass die Knochenmasse nicht durch Ausdauersport aufgebaut wird. Es müssen Spitzenanforderungen an die Muskulatur und damit an den Knochen gestellt werden. Dazu gehören schnelle Bewegungen, die so die Muskulatur und damit die Knochen wieder aufbauen. Also gehen Sie tanzen, walken oder joggen, und vergessen Sie dabei nicht die Sprints. Mangelnde Bewegung ist für bis zu 40% des Knochenmasseverlustes verantwortlich. Entlastende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind weniger gut geeignet.
Nur die Geschwindigkeit des Knochenabbaus zu vermindern, gleicht den Knochenmassenverlust nicht aus. Sie benötigen bei der Basistherapie ca. 1000 mg Calcium pro Tag. Diese Menge können Sie sich durch Milch, Joghurt, Hartkäse und calciumreiche Mineralwässer zuführen. Ältere Menschen können diese Menge oft nicht über die Ernährung abdecken und sollten das Mineral zum Beispiel in Form von Brausetabletten zu sich nehmen. Trinken Sie die gelöste Tablette über den Tag verteilt in kleinen Schlucken. Damit wird sichergestellt, daß das Calcium vollständig vom Körper aufgenommen wird.
Weiterhin benötigen Sie für den Aufbau stabiler Knochen Vitamin D3, das Ihr Körper auch selber herstellt. Im Alter reicht die vom Körper produzierte Menge oft nicht mehr aus. Daher sollten Sie sich 1000 I.E. Vitamin D3 pro Tag in Tablettenform zuführen, damit die Aufnahme des Calciums aus dem Darm in den Körper gewährleistet ist.
Das dritte Standbein der Osteoporosetherapie ist die Zufuhr der Geschlechtshormone. Eine 10jährige Hormongabe nach den Wechseljahren senkt Ihr Frakturrisiko auf ¼ !!!! Und nur bei familiärer Belastung ist es wichtig zu wissen, dass sich bei Ihnen als Frau Ihr Brustkrebsrisiko erhöhen kann. Werden die Hormone allein gegeben und nach Jahren wieder abgesetzt, erfolgt ein Abfall der Knochendichte bis auf das Niveau, das Sie auch ohne Medikamenteneinnahme erreichen würden.
Auch beim Mann kann es zur Osteoporose kommen. Das kann genetisch bedingt in der Familie liegen oder aber auch durch eine Unterfunktion der Hoden und verschiedene Erkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Tumore, hervorgerufen werden.
Auch bestimmte Arzneimittel können Osteoporose verursachen.
Rezeptpflichtige Bisphosphonate sind die Arzneimittel der ersten Wahl. Sie reichern sich an der Knochenoberfläche an und hemmen die noch arbeitenden Zellen, die Ihre Knochen abbauen. Diese sterben nun ab. Sofern die Knochenbälkchen nicht schon unterbrochen sind, erfolgt mehr Knochenaufbau als –abbau. Dabei wird Ihr Frakturrisiko um 50% gesenkt, und es erfolgt sogar noch ein Anstieg Ihrer Knochendichte.
Die Verfügbarkeit des Wirkstoffs liegt bei den Bisphosphonaten unter 1%. Daher müssen diese morgens nüchtern nach dem Aufstehen mit calcium- und magnesiumarmen Wasser eingenommen werden. In den folgenden 30 min. dürfen Sie nichts anderes essen und trinken. Sonst bilden diese Bisphosphonate Komplexe mit Nahrungsbestandteilen und können ihre Wirkung nicht entfalten. Auch dürfen Sie sich nicht wieder hinlegen, sonst kann es zu einer Reizung der Speiseröhre kommen. Neuere Arzneiformen ermöglichen eine einmalige Einnahme pro Woche.
Bisphosphonate können Sie auch in Kombination mit Hormonen einnehmen, vor allem bei Beschwerden in den Wechseljahren und nach den Wechseljahren.
Auch zur Therapie mit Bisphosphonaten sollten Sie immer mit einem Muskeltraining beginnen und Calcium mit Vitamin D3 zu sich nehmen.
Möchten Sie mehr zu diesem Thema wissen? So sprechen Sie uns einfach an. Gerne geben wir Ihnen auch eine kostenlose Broschüre zu diesem Thema mit oder Sie schauen sich einmal das Buch über Osteoporose an, das Sie bei uns käuflich erwerben können.
Wir möchten Sie auch auf die Möglichkeit einer Früherkennung hinweisen. Sie haben bei uns nach Terminabsprache die Gelegenheit, sich Ihre Knochendichte schmerzfrei per Ultraschall am Fuß messen zu lassen. Mehr erfahren Sie dazu unter dem Thema Gesundheitschecks.
Quellen:
Vortrag von Professor Schunack bei den Apothekerkammern Niedersachsen und Bremen, PTA-Forum 01/2002, "Osteoporose", ein Supplement der Pharmazeutischen Zeitung 05/2002